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◄ Der Prototyp des VÖV BUS II auf dem Tag der offenen Tür bei der Hanauer Straßenbahn im Jahre 1978 (anklicken für große Ansicht). Foto Sven M. Lehmann †.

 
 
Im Jahre 1966 begann der Verband öffentlicher Verkehrsbetriebe im Zusammenwirken mit der deutschen Omnibus-Industrie mit der Vereinheitlichung von Omnibussen für den Stadtverkehr. Das Ergebnis war der bekannte VÖV-Standardlinienbus, der von den Firmen Büssing, Daimler-Benz, Magirus-Deutz und MAN hergestellt wurde.

Um rechtzeitig die Voraussetzungen für eine Nachfolge-Generation zu schaffen, wurde in Zusammenarbeit zwischen der HAMBURG-CONSULT und dem VÖV mit der Entwicklung des zukünftigen Stadtbus Mitte der 1970er Jahre begonnen. Der Bau eines Fahrzeug-Prototyps im Jahr 1976 als Versuchs-Modell für alle geplanten Veränderungen war die Grundlage zur sicheren Erarbeitung der Typenempfehlungen für den VÖV-Bus II. Das gesamte Vorhaben wurde vom Ministerium für Forschung und Technologie gefördert.

Die wichtigsten Veränderungen bei diesem Prototyp, der von den Fahrzeug-Werkstätten Falkenried (FFG) in Hamburg hergestellt wurde, sollen hier kurz zusammen gefasst und beleuchtet werden.

Das erste Anliegen war die Verbesserung des Fahrgastsitzes, der eine um 4° größere Rückenlehnenneigung und eine um 20 mm abgesenkte Sitzhöhe mit einer besseren Ausformung erhielt. Durch die Anordnung aller Sitze in Fahrtrichtung und Vergrößerung des Sitzteilers von 700 mm auf 720 mm wurde die Bequemlichkeit für die Fahrgäste wesentlich erhöht. Die Anordnung und Anzahl der geforderten Fahrgastsitze bestimmen auch die äußeren Abmessungen eines Omnibusses, sodass die optimale Fahrzeuglänge mit 11250 mm ermittelt wurde. Um den Fahrgastwechsel durch leichteres Ein- und Aussteigen zu beschleunigen und gleichzeitig bequemer zu machen, wurde ein sog. "Niederflur-Fahrzeug" entwickelt. Vom Bürgersteig aus war der Fahrzeugboden (540 mm über der Straße) über zwei Stufen je 200 mm Höhe erreichbar. Die Sitzplätze waren auf 150 mm hohen Podesten montiert, während die stehenden Fahrgäste im abgesenkten Mittelgang verblieben. Die hierdurch entstandenen Abmessungen erforderten kleinere Räder und Reifen, die jedoch die bisherige Tragfähigkeit garantierten.

Wegen der Motorenüberbauung im Fahrzeugheck war eine rampenartige Anhebung des Innenbodens im rückwärtigen Teil des Fahrzeugs notwendig, um auch dort noch eine ausreichende Stehhöhe von 1900 mm - gegenüber 2250 mm im vorderen Wagenteil - zu erreichen. Die bisherige Türanordnung vom Standard 1-Omnibus wurde beibehalten, doch stehen die Türflügel in geöffneten Zustand nicht mehr so weit vor, wodurch auch die Spiegelausladung auf der rechten Seite reduziert werden konnte.

Die Sicht vom Fahrerplatz konnte durch eine tiefergezogene Frontscheibe aus zwei identischen Teilen verbessert werden. Der Fahrerplatz bekam ein eigenes Heizgerät, welches seine Wärmeenergie aus dem Vorrat bezog, der durch die Aufheizung der gesamten Kühl- und Heizungswassermenge sowie des Motorblocks gegeben war.

Erwähnenswert ist noch die bei diesem Prototyp angewandte Klebetechnik. Das Fahrzeuggerippe war in selbsttragender Bauweise aus einfachen Profilstahlrohren (ohne Pressteile) in geschweißter Bauweise hergestellt worden.
 
Die gesamte äußere Verkleidung aus Glas und Leichtmetall-Blechen war mit einem Einkomponentenkleber befestigt worden. Der verwendete Kleber bot neben der Körperschall-Dämmung ausreichend Schutz gegen Kontakt-Korrosion und gewährleistete gleichzeitig eine Abdichtung.

Die technischen Daten des VÖV-Bus II

Hauptabmessungen  
Länge 11250 mm
Breite 2500 mm
Höhe 2840 mm
Radstand 5850 mm
Vorderer Überhang 2420 mm
Hinterer Überhang 3000 mm
Reifengröße 305/55 R 19,5 (832 mm Ǿ)
Fußbodenhöhe 540 mm
Stufe 1 340 mm
Stufe 2 200 mm
Mittelgangbreite 530 mm
Fußraumbreite 600 mm
Podesthöhe 150 mm
Heckbodenneigung 8% (11,27%)
Wendekreis Ǿ 21,4 m

Gewicht leer

beladen

Gesamtgewicht 8700 kg 15915 kg
Vorderachse 3300 kg 6082 kg
Hinterachse 5400 kg 9853 kg
Schwerpunkthöhe ü. Fahrbahn ca. 950 mm ca. 1250 mm

Fassungsvermögen

StVZO

ECE-Regelung

  (10 Pers./m²+65 kg) (8 Pers./m²+68 kg)
Sitzplätze 45 Personen 45 Personen
Stehplätze 72 Personen 60 Personen
Gesamt 117 Personen 105 Personen

Motor Daimler-Benz, Typ OM 407h, Viertakt-Direkteinspritzer, 210 PS bei 2200 U/min, 779 Nm bei 1300 U/min, 13,2 PS/t
Getriebe Daimler-Benz Automatik, Typ W3D 080/2 mit Retarder
Lenkung Daimler-Benz, Kugelmutter-Hydrolenkung
Vorderachse Einfach bereifte Starrachse
Hinterachse Daimler-Benz, doppelt bereifte Außenplaneten-Achse, HO7, i = 4,693
Federung Luftfederung an beiden Achsen
Betriebsbremse Zweikreis-Bremsanlage, Vorder- und Hinterachse Druckluft-Trommelbremse, Trommel-Ǿ 370 mm
Dauerbremse Daimler-Benz, hydraulischer Retarder
Feststellbremse Gestängelos über Federspeicher auf die Hinterachse, betätigt durch Handbremsventil neben dem Armaturenbrett

Das Fahrzeug hatte die Fahrgestellnummer 276.000.0001 und war unter anderem in Hamburg bei der Hochbahn als Wagen 1980, sowie bei der EVAG-Essen als Wagen 3000 in der praktischen Erprobung. Im Jahre 1982 wurde der Versuchs-träger nach Beendigung der Tests verschrottet.
 

Seite wurde erstellt im November 2012

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